Ökosteuer, Spitzenausgleich, EEG – Gesetzliche Vergünstigungen nutzen

Die EU-Mitgliedstaaten haben sich im Dezember 2012 darauf verständigt, die Energieeffizienz bis 2020 um 20 % zu steigern. Dazu hat die EU-Kommission 2011 eine neue Energieeffizienz-Richtlinie (2012/27/EU) initiiert. Diese wird in Deutschland durch verschiedene Gesetze und Verordnungen umgesetzt. Immer mehr hält das Thema Energieeffizienz daher auch Einzug in bestehende Regelwerke. Seit 2012 müssen große Industrieunternehmen, die eine Begrenzung der EEG-Umlage beantragen, ein Energiemanagementsystem nachweisen. Eine ganz aktuelle Regelung aus dem Juli 2013 betrifft große und kleine Unternehmen des produzierenden Gewerbes: wer den Ökosteuer- Spitzenausgleich erstattet bekommen möchte, der muss bis zum Jahr 2015 ein Energiemanagement einführen.

"Ökosteuer": Energie- und Stromsteuer

Mit der sogennaten „Ökosteuer“, bestehend aus den Regelungen des Energie- und Stromsteuergesetzes, hat der Gesetzgeber seit 1999 eine Verbrauchssteuer für die Endnutzung von Energieträgern und Strom eingeführt. Ziel dieser Steuer sind die Förderung alternativer Kraft- und Brennstoffe (EnStG) und die Förderung alternativer Stromerzeugung (StromStG). Sonderregelungen im Sinne von Steuerbefreiungen gibt es für die Eigennutzung von Energie, sowie für besonders energieintensive Unternehmen des produzierenden Gewerbes.

Spitzenausgleich

Mit Hilfe des Spitzenausgleichs nach §§ 55 EnergieStG und §§ 10 StromStG können Unternehmen des produzierenden Gewerbes Steuerentlastungen in Sonderfällen beanspruchen. Als Spitzenausgleich wird die Kompensation des Saldos zwischen den durch die Ökosteuer entstandenen Kosten und der Entlastung durch die Rentenversicherungsbeiträge bezeichnet. Die Höhe des Spitzenausgleichs richtet sich nach dem Energieverbrauch und den vom Betrieb gezahlten Rentenbeiträgen. Eine erste Abschätzung einer Rückerstattung kann hier vorgenommen werden: http://energiesteuer.de/quick-check.html

Wie genau Unternehmen zukünftig in den Genuss des Spitzenausgleichs kommen können, ist in der aktuellsten Fassung der Spitzenausgleichs-Effizienzsystemverordnung vom 31.07.2013 festgelegt.

SpaEfV- Spitzenausgleich-Effizienzsystemverordnung

Laut SpaEfV wird die Verpflichtung, ein Energiemanagementsystem einzuführen, bis zum Jahr 2015 stufenweise und mit zunehmender Intensität erfolgen:

Für Rückerstattungen des Jahres 2012 müssen bis 31.12.2013 folgende Nachweise erbracht werden:

  • Große Unternehmen benötigen den Nachweis der Einführung eines Energiemanagements nach ISO 50001 (oder EMAS), mindestens jedoch eine Energeiverbrauchsanalyse nach Kapitel 4.4.3.a der ISO 50001
  • Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) benötigen den Nachweis eines alternativen Energiecontrollings basierend auf der Norm DIN 16247-1, mindestens jedoch eine Energeiverbrauchsanalyse nach Anlage 2, Tabelle 1 der SpaEfV

Für Rückerstattungen des Jahres 2013 müssen bis 31.12.2014 folgende Nachweise erbracht werden:

  • Große Unternehmen: Nachweis aus 2013 und zusätzlich eine Energieeinsatzanalyse nach Kapitel 4.4.3.b der ISO 50001
  • Kleine und mittlere Unternehmen (KMU): Nachweis aus 2013 und zusätzlich eine Energieeinsatzanalyse nach Anlage 2, Tabelle 2 der SpaEfV

Für Rückerstattungen des Jahres 2014 und alle darauffolgenden Jahre müssen bis 31.12.2015 folgende Nachweise erbracht werden:

  • Große Unternehmen: Zertifikat der ISO 50001 (oder EMAS)
  • Kleine und mittlere Unternehmen (KMU): Testat eines alternativen, jährlichen Energiecontrollings basierend auf der Norm DIN 16247-1

Ein "alternatives Energiecontrolling-System" nach SpaEfV muss kontinuierlich aufrechterhalten werden und verlangt die Erfassung von Energieträgern, Energieflüssen, Energieverbrauchern und Energieeinsparpotenzialen sowie das Aufstellen und Pfelegen eines Energieeffizienz- Programms.

Für die Einführungsphase (2013 und 2014) besteht die Nachweispflicht zusätzlich in einer schriftlichen Erklärung der Geschäftsführung, in der der Beginn der Einführung eines Energiemanagementsystems, sowie die Einsetzung eines internen oder externen Energiebeauftragten, ausgestattet mit entsprechenden Befugnissen, bestätigt wird.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU)

Laut der Europäischen Union fallen alle eigenständigen Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern und einem Jahreshöchstumsatz von 50 Mio. EUR oder einer Jahresbilanzsumme von maximal 43 Mio. EUR unter die Kategorie der kleinen und mittleren Betriebe. Bei Partnerunternehmen oder verbundenen Unternehmen werde die jeweiligen Gesamtsummen angesetzt. Weitere Informationen: KMU Definition der EU

Erneuerbare Energien Gesetz (EEG)

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zielt darauf ab, die erneuerbaren Energien zur fördern. Diese Förderung wird über eine garantierte Einspeisevergütung und Abnahmegarantie geregelt. Unternehmen oder Privatkunden, die eine technische Anlage zur Stromerzeugung mit Hilfe erneuerbarer Ressourcen betreiben, werden subventioniert über die festgelegte Dauer von 20 Jahren. Die Kosten dafür werden auf alle Endverbraucher durch die sogenannte EEG- Umlage umgelegt. Industrieunternehmen geniessen hiervon eine Ausnahme:

  • ab einem Energieverbrauch von 1 GWh bis 10 GWh jährlich kann die EEG-Umlage begrenzt werden
  • ab 10 GWh wird Umlage noch weiter begrenzt, das Unternehmen muss allerdings ein Energiemanagement nach ISO 50001 betreiben (oder EMAS)

Die Einsparungen durch eine Begrenzung der Umlage liegen oftmals im sechsstelligen Bereich.

Energiemanagement nach ISO 50001

Die internationale Norm ISO 50001 ist ein weltweit gültiger, privatwirtschaftlicher Standard im Bereich Energiemanagement. Die ISO 50001 zielt auf eine kontinuierliche Verbesserung der Energieeffizienz ab und wird system- und prozessorientiert umgesetzt. Die 50001 basiert auf dem aus anderen Standards, z.B. der ISO 9001, bekannten Plan – Do – Check – Act – Zyklus.

  1. In der Planphase geht es um die Bestandsaufnahme des Energieverbrauches im Unternehmen und die Vorbereitung zur Imlpememtierung der Norm durch einen Rechtscheck.
  2. In zweiten Schritt – der Do-Phase – geht es um die konkrete Systemeinführung. Der Aufbau der erforderlichen Strukturen und Prozesse, dem Aufbau eines Controllingsystems und der Optimierung der Mitarbeiterkommunikation.
  3. Die dritte Phase, die Check-Phase, überprüft die Wirksamkeit des Managementsystems. Ein legal compliance check, interne Energieaudits und ein Management review werden hier vorgenommen.
  4. In der vierten Phase, der Act- Phase, werden die Erkenntnisse und Verbesserungen aus der Überprüfung des Systems umgesetzt. Der Kreislauf beginnt von neuem.

Um einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess gewährleisten zu können, ist es jederzeit möglich am System zu optimieren. Als Nachweis für die Implementierung der Norm gilt eine Zertifizierung bei einem zugelassenen Zertifizierer. Die Einführung eines Energiemanagementsystems ermöglicht von Beginn an Einsparungen von 5 bis 10 % ohne zusätzliche Maßnahmen. Eine Energiemanagement nach ISO 50001 lohnt sich insbesondere für mittlere und große Gewerbe- und Industriebbetriebe.

Energieaudit nach DIN EN 16247-1

Die europäische Norm DIN EN 16247-1 beschreibt die gesetzlichen Anforderungen eines Energieaudits an kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), die ihre Energieeffizienz verbessern und den Energieverbrauch reduzieren wollen. Unternehmen des produzierenden Gewerbes, die staatliche Steuerermäßigungen in Anspruch nehmen wollen, müssen jährlich einen Energieaudit durchführen.
Bei der Durchführung eines Energieaudits nach DIN EN 16247-1 wird der Energieeinsatz- und verbrauch im Unternehmen systematisch erfasst und analysiert. Die Bestandsaufnahme wird dann in einem Maßnahmenbericht dokumentiert. Energieeinsparmaßnahmen werden wirtschaftlich bewertet und umgesetzt.

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